Wie behandeln PDE5-Hemmer Erektionsstörungen?
Sie verstärken das körpereigene Signal, das eine Erektion auslöst — sie ersetzen es nicht. Bei sexueller Erregung setzen Nerven im Penis Stickstoffmonoxid frei; daraufhin bildet sich der Botenstoff cGMP, die glatte Muskulatur der Schwellkörper entspannt sich und Blut strömt ein. Das Enzym PDE5 baut cGMP wieder ab. Die PDE5-Hemmer bremsen dieses Enzym, sodass der Botenstoff länger wirkt und die Erektion leichter entsteht und länger hält. Ohne Erregung passiert deshalb nichts: Die Tabletten wirken nicht auf die Lust und erzeugen keine Erektion auf Knopfdruck.
Welche Wirkstoffe gibt es?
In Deutschland sind vier Wirkstoffe zugelassen. Sildenafil (Viagra und zahlreiche Generika) kam 1998 als erster auf den Markt. Tadalafil (Cialis) folgte 2003, ebenso Vardenafil (Levitra und Generika). Avanafil (Spedra) ist seit 2013 in der EU zugelassen. Alle vier teilen denselben Wirkmechanismus; sie unterscheiden sich vor allem darin, wie schnell sie wirken und wie lange die Wirkung anhält.
Wie schnell und wie lange wirken sie?
Sildenafil und Vardenafil wirken meist nach 30 bis 60 Minuten, die Wirkung hält etwa vier bis fünf Stunden. Avanafil setzt schon nach 15 bis 30 Minuten ein und hält rund sechs Stunden. Tadalafil (Cialis) braucht 30 Minuten bis zwei Stunden, wirkt dafür bis zu 36 Stunden — deshalb wird es auch als niedrig dosierte Tagestablette eingesetzt. Fettreiches Essen kann den Wirkeintritt von Sildenafil und Vardenafil verzögern, bei Tadalafil spielt es kaum eine Rolle.
Bei welchen Ursachen helfen sie?
Die Tabletten wirken bei Erektionsstörungen ganz unterschiedlicher Herkunft: bei Gefäßursachen, bei Diabetes, bei Bluthochdruck und nach einer Prostataoperation, sofern die Nerven erhalten geblieben sind. Auch bei seelisch mitbedingten Beschwerden helfen sie oft, weil schon eine gelungene Erfahrung die Versagensangst dämpft. Die Ursache selbst behandeln sie nicht — eine Erektionsstörung kann das erste Zeichen einer Herz- oder Gefäßerkrankung sein und gehört deshalb abgeklärt.
Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?
Häufig sind Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, eine verstopfte Nase und Verdauungsbeschwerden; Sildenafil kann vorübergehend das Farbsehen verändern, Tadalafil Rückenschmerzen auslösen. Selten kommt es zu einer schmerzhaften Dauererektion (Priapismus) — hält eine Erektion länger als vier Stunden an, ist das ein Notfall. Die wichtigste Gegenanzeige sind Nitrate, etwa Nitroglycerin-Spray bei Angina pectoris: Zusammen mit einem PDE-5-Hemmer kann der Blutdruck gefährlich abfallen.
Was können die Tabletten nicht?
Sie steigern nicht das sexuelle Verlangen und verlängern nicht die Zeit bis zum Samenerguss. Es gibt auch keine Lebensmittel, die PDE-5-Hemmer enthalten: Was Obst, Nüsse oder Rotwein für die Erektion leisten können, geht über eine bessere Gefäßgesundheit — nicht über dieses Enzym.
Warum vor der Einnahme ein Arztgespräch?
Alle vier Wirkstoffe sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Im Gespräch klärt die Ärztin oder der Arzt, ob Herz und Kreislauf die Belastung beim Sex vertragen, ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten drohen und welcher Wirkstoff zum eigenen Alltag passt — spontane Einnahme vor dem Sex oder eine Tagestablette.



