Was ist erektile Dysfunktion?
Von einer erektilen Dysfunktion — umgangssprachlich Impotenz — spricht man, wenn eine Erektion über längere Zeit meist nicht zustande kommt oder nicht lange genug hält, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu haben. Einzelne Aussetzer sind normal; erst wenn die Probleme über Monate bei den meisten Versuchen auftreten, sprechen Ärzte von einer Erektionsstörung. Sie ist häufig und wird mit dem Alter häufiger.
Eine Erektion entsteht, wenn bei sexueller Erregung Nervensignale die Gefäße im Penis erweitern und Blut in die Schwellkörper strömt. Deshalb kann eine Störung an vielen Stellen entstehen: an den Gefäßen, an den Nerven, bei den Hormonen, in der Psyche — oder durch Medikamente, die in diese Abläufe eingreifen.
Die übersehene Ursache: Medikamente, die Sie für etwas anderes nehmen
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nie auf eigene Faust ab. Wenn Sie einen Zusammenhang vermuten, sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, die es verschrieben haben — oft gibt es eine Alternative mit weniger Einfluss auf die Erektion. Diese Wirkstoffgruppen stehen am häufigsten im Verdacht:
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Betablocker (Blutdruck, Herz) | Metoprolol, Bisoprolol, Propranolol | Betablocker und Erektionsstörungen |
| Entwässerungsmittel (Diuretika) | Hydrochlorothiazid | — |
| Antidepressiva | SSRI wie Sertralin, Citalopram | Viagra trotz Antidepressiva? |
| Mittel gegen Nervenschmerzen und Epilepsie | Gabapentin, Pregabalin | Gabapentin und Impotenz |
| Prostata- und Haarausfallmittel | Finasterid, Dutasterid | — |
| Schmerzmittel bei Dauergebrauch | Ibuprofen und andere NSAR | Ibuprofen und Erektionsstörungen |
| Weitere | Antipsychotika, Opioide, Hormontherapien | — |
Bei Blutverdünnern ist ein direkter Zusammenhang nicht belegt; häufiger steckt die Gefäßerkrankung dahinter, gegen die sie verordnet wurden — was bekannt ist, fasst der Ratgeber Blutverdünner und Erektionsstörungen zusammen.
Die häufigsten Ursachen einer Erektionsstörung
- Gefäße — die häufigste körperliche Ursache, vor allem ab 40: Arteriosklerose, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Rauchen verengen die Arterien, auch die kleinen im Penis.
- Diabetes — schädigt Gefäße und Nerven zugleich; Männer mit Diabetes sind besonders oft betroffen. Welche Behandlungen dann infrage kommen, erklärt der Ratgeber Erektionsstörungen bei Diabetes.
- Nerven — Multiple Sklerose, Parkinson, Bandscheiben- und Rückenmarksschäden oder Operationen im Becken können die Signale unterbrechen; auch ein eingeklemmter Nerv wird oft gefragt — dazu Ischiasnerv und Erektionsstörungen.
- Hormone — ein Testosteronmangel zeigt sich meist auch durch weniger Lust und Müdigkeit.
- Prostata — nach Prostataoperationen und bei Entzündungen; mehr dazu unter Prostatitis und Erektionsstörungen.
- Psyche — Stress, Leistungsangst, Beziehungsprobleme und Depression; bei jüngeren Männern die häufigste Ursache.
- Lebensstil — Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und viel Alkohol; ob sich eine alkoholbedingte Erektionsstörung zurückbildet, beantwortet dieser Ratgeber.
Oft gefragt, aber selten die eigentliche Ursache: Eisenmangel und Blutarmut, Wassermangel, Nierensteine und Kaffee.
| Alter | Überwiegende Ursache | Was sich in diesem Jahrzehnt ändert |
|---|---|---|
| 20–39 | Psyche und Lebensstil | Stress, Leistungsangst, Alkohol und Rauchen |
| 40–59 | Chronische Erkrankungen | Diabetes, Bluthochdruck und Hormone verdrängen die Psyche als Hauptursache |
| 60+ | Erkrankungen, Medikamente, Prostata | Nebenwirkungen anderer Arzneimittel und die Prostata gewinnen an Gewicht |
Welche Ursache trifft auf mich zu? Erste Hinweise
- Plötzlich aufgetreten, morgendliche Erektionen aber vorhanden — spricht eher für eine psychische Ursache.
- Langsam schlechter geworden, dazu Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder Übergewicht — spricht eher für die Gefäße.
- Kurz nach einem neuen Medikament begonnen — an das Medikament denken (siehe Tabelle oben).
- Weniger Lust, Müdigkeit, Antriebslosigkeit — an einen Testosteronmangel denken.
Diese Hinweise ersetzen keine Untersuchung — sie helfen, das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorzubereiten.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Bei einer anhaltenden Erektionsstörung immer — nicht nur wegen der Erektion selbst. Eine Erektionsstörung kann ein frühes Warnzeichen für Herz- und Gefäßerkrankungen sein, weil die kleinen Arterien im Penis oft früher reagieren als die Herzkranzgefäße; auch ein bisher unerkannter Diabetes fällt so manchmal auf. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine Urologie. Zur Abklärung gehören ein Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente, eine körperliche Untersuchung und Blutwerte wie Blutzucker, Blutfette und Testosteron.
Was man tun kann
Zuerst wird die Ursache behandelt, soweit möglich: Blutdruck und Blutzucker einstellen, ein Medikament umstellen, mit dem Rauchen aufhören, sich mehr bewegen. Zur Behandlung der Erektion selbst sind Tabletten aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer — Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil, Avanafil — die erste Wahl der Leitlinien; daneben gibt es Injektionen in den Schwellkörper, Vakuumpumpen, Implantate und, bei psychischen Ursachen, Sexual- oder Psychotherapie. Welche Tablette zu welchem Fall passt, zeigt der Potenzmittel-Vergleich.